Hertha? Leipzig? Effzeh? Wer jagt den Platzhirsch?

hirsch

Mit allergrößtem Vergnügen kann ich verkünden: diese Bundesliga-Saison wird spannend! Also zumindest spannender als in den letzten Jahren. Denn es scheint (wenn auch nicht superwahrscheinlich) diesmal möglich zu sein, dass der mächtige Platzhirsch FC Bayern München womöglich doch nicht unverwundbar ist. Denn auch wenn die Bilanz der Bayern nach bislang drei Spieltagen vordergründig makellos wirkt – da könnte was gehen!

Ein Überblick über den Gejagten, die Jäger und die sonstige Strecke

FC Bayern München:

Hass-Verein für die einen, Lieblings-Club für die anderen – Rekordmeister und überhaupt Mega-Dingens. Gestern beim ersten Wiesn-Heimspiel zeigten sich die Spieler teilweise erschreckend desorientiert. Klar, ein Teil der Mannschaft lag mit Magen-Darm flach oder war von sonstigen Schäden heimgesucht, doch der bajuwarische Luxuskader sollte auch Ausfälle von Lahm, Müller und Alaba kompensieren können – zumal gegen eine Mannschaft wie den FC Ingolstadt. Zugegeben: Gewonnen hat der FCB trotzdem mit 3:1 – aber dieser Sieg wirkte fast wie eine Niederlage.

Jäger oder Beute? Exklusivste Beute der Liga! Fünfte Meisterschaft in Folge? Schaun mer mal!

Red Bull Leipzig:

Hass-Verein für etliche, Lieblings-Club für wenige – interessantester Aufsteiger seit langem! Dino HSV hatte bei der gestrigen 0:4-Heimklatsche gegen den Neu-Bundesligisten jedenfalls nicht viel zu lachen.

Jäger oder Beute? Eindeutig Jäger – wobei es am Ende wohl eher ein solider Platz im Mittelfeld wird – zur Stunde (das letzte Spiel des Tages läuft noch) aber Tabellenplatz 2.

Effzeh – 1. FC Köln:

Lieblingsverein für praktisch alle, die den Effzeh überhaupt wahrnehmen! Hat erstaunlicherweise die komplette karnevalistische Folklore abgelegt und konzentriert sich seit ein paar Jahren ernsthaft aufs Fußballspielen. Inzwischen sogar ziemlich erfolgreich. Aktueller Tabellenplatz 3. Dank des Freitagsspiels (und des Siegs gegen den SC Freiburg) sogar ein paar Stunden lang Tabellenführer.

Jäger oder Beute? Hm, wohl doch eher Beute. Aber eine ziemlich fette Beute, die nicht einfach zu erlegen ist! Vielleicht geht ja in der nächsten Saison was in der Europa League!

Borussia Dortmund:

Hass-Verein für viele, Lieblings-Club für ebenfalls ziemlich viele – muss man nicht verstehen, kann man nur so hinnehmen! Hat sich letztes Wochenende fulminant gegen Leipzig blamiert, seitdem aber in der Champions League und in der Bundesliga (gestern gegen Darmstadt) spielübergreifend 12:0 Tore geschossen. Das muss man auch nicht verstehen, aber voller Bewunderung zur Kenntnis nehmen – zumal Tuchel mit einem superjungen Team operiert. Sehr spannend. Aktuell aber nur Tabellenplatz 4.

Jäger oder Beute? Selbstredend Jäger! Top-Jäger ohne jeden Zweifel. Es wird wohl wieder auf ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen München und Dortmund hinauslaufen.

Hertha BSC:

Ja, es gibt wohl auch einige Menschen, die die Hertha als Lieblingsverein bezeichnen. Da muss man tolerant sein. Die Hauptstädter sind insgesamt äußerst unauffällig, aber bislang höchst effizient. Sollten sie heute gegen Schalke gewinnen (im Moment steht es 0:0), dann springen sie wieder auf den zweiten Platz – als einzige Mannschaft neben dem FC Bayern ohne Punktverlust. Abwarten!

Jäger oder Beute? Es fühlt sich zwar surreal an, aber doch Jäger! Wer so unterm Radar fliegt, hat womöglich noch mehr im Köcher!

Borussia Mönchengladbach:

Lieblingsverein von allen Pferdemädchen, denn die können naturgemäß keinem „Fohlen“ widerstehen! Sonst ein wenig unausgeglichen und womöglich überfordert in Liga und Champions League. Gestern immerhin frischen Mut gegen Werder Bremen geschöpft, aber die Hanseaten sind derzeit auch keine Gegner, die das Prädikat überhaupt verdienen.

Jäger oder Beute? Schwer zu sagen – Fohlen sind ja bekanntlich Fluchttiere … also: Beute. Gestrandet im Mittelfeld!

Eintracht Frankfurt:

Lieblings-Club von Goethe und anderen Eingeborenen wird ansonsten schulterzuckend zur Kenntnis genommen! Hat einige krasse Aggro-Fans in den Reihen, die den Spaß am Fußball für andere Zuschauer etwas schmälern. Ansonsten immer gut für (emotionale) Achterbahnfahrten. Gestern gab’s für die Adler-Elf gleich zwei Highlights: zum einen wurde der Vertrag mit dem an Krebs erkrankten Marco Russ vorzeitig bis 2019 verlängert, zum anderen besiegten sie den Champions League-Teilnehmer Bayer Leverkusen.

Jäger oder Beute? Gut, da gibt’s nicht viel zu diskutieren, für ernsthafte Jäger-Ambitionen wird’s nicht reichen, aber ich wette, dass die Eintracht diesmal einige Clubs hinter sich lässt.

VfL Wolfsburg:

Ja, die Wölfe haben auch Fans. Hört man. Aber es gibt ja in Wolfsburg nicht viele andere Dinge, für die man sich sonst begeistern könnte. Dann halt den Fußball-Verein. Man hat sich die Dienste von Stürmer Mario Gomez gesichert. Der hat zwar in dieser Saison noch nicht getroffen, aber da geht was! Gestern ging nur ein 0:0 gegen Hoffenheim – was immerhin  keine Niederlage ist.

Jäger oder Beute? Der Wolf an sich ist zwar traditionell ein Jäger (vor allem im Rudel = Wölfe), aber … ähm. Nein. Beute!

FSV Mainz 05:

Lieblings-Club aller Mainzer Karnevalisten, Hass-Verein von Anhängern gegnerischer Mannschaften auf lokaler Ebene. Ansonsten haben sie ein wenig die Rolle als Karnevals-Club vom Effzeh übernommen (der ja neuerdings so irre seriös ist). Die Mainzer haben ihre Linie jedenfalls noch nicht gefunden, aber immerhin vorhin den ersten Saisonsieg  gegen Augsburg (3:1) eingefahren.

Jäger oder Beute? In jedem Fall Pappnasen! Und das muss nichts Schlechtes sein.

TSG Hoffenheim:

Hat Fans. Zumindest einige. Fußballerisch nach drei Unentschieden noch nicht ganz auf der Höhe – da ist in beide Richtungen alles drin. Oder fast alles, denn die Spitze werden sie wohl nicht mehr attackieren.

Jäger oder Beute? Ein fetter Hase allemal!

Bayer Leverkusen:

Hat erstaunlich viele Fans – sogar einige unter Kölner Karnevalisten. Ist Champions League-Teilnehmer, aber aktuell nicht so super erfolgreich, ist auch in der Bundesliga aktuell nicht so super erfolgreich (siehe die gestrige Niederlage gegen die Eintracht). Trotzdem hat die Werkself an sich ein schlagkräftiges Team. Vielleicht ist der Trainer die Schwachstelle? Bleibt spannend?

Jäger oder Beute? Ich schätze mal, dass Roger Schmitt demnächst den Weg des Viktor Skripnik gehen muss.

SC Freiburg:

Herzensclub nicht nur vieler Breisgauer! Der Wiederaufsteiger ist natürlich ein absoluter Außenseiter, besticht aber mit kauzigem Charme und Widerstandskräften – trotz der klaren 0:3-Heimniederlage gegen Köln am Freitag.

Jäger oder Beute? Jäger – auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz!

FC Augsburg:

Lieblingsverein aller Schwaben (denn Stuttgart ist ja nicht mehr dabei …). Wursteln sich so durch. Doch die Wursteligkeit sieht in dieser Saison noch nicht sehr zielführend aus. Könnte auch ein schweres Abwärts-Wursteln werden.

Jäger oder Beute? Den letzten beißen die Hunde … aber es gibt ja noch Teams wie Bremen und den HSV.

Darmstadt 98:

Genießt größtes Ansehen bei allen Lilien-Fans, wird gehasst von allen Eintracht-Fans – und umgekehrt. Hat ein kleineres Budget als die Portokasse des FC Bayern. Will trotzdem erstklassig bleiben. Könnte was werden. Oder auch nicht.

Jäger oder Beute? Extrem hohe Beute-Wahrscheinlichkeit, aber der Duft von Lilien könnte noch was bringen.

FC Schalke 04:

Wird im Pott geliebt (von den einen) und gehasst (von den anderen). So stolz wie die Königsblauen ist kein anderer Club in der Liga – so erratisch im Auftreten allerdings auch nicht. Der aktuelle Ligaverlauf ist ein Desaster. Es muss ein Ruck durch die Knappen gehen. Oder so.

Jäger oder Beute? Vom Selbstverständnis her natürlich Jäger, realistisch eher ein fetter (Abschuss)-Bock!

FC Ingolstadt:

Wird sehr geliebt von seinen Fans, doch die „Schanzer“ zeigen sich in der Chancenverwertung derzeit höchst unterklassig. Da wäre nämlich gestern gegen die Bayern echt was gegangen. Wenn diese Schwäche jedoch abgestellt wird, wer weiß, wer weiß, was dann noch drin ist …

Jäger oder Beute? Jäger des Ehrenwimpels für besonderes Bemühen!

Hamburger SV:

Lieblings-Club aller Liga-Archäologen, Hass-Verein aller anderen. Die Dinosaurier sind nicht ohne Grund ausgestorben. Dass der letzte Dino so lange durchhält, grenzt ohnehin an ein Wunder. Die gibt es bekanntlich immer wieder – aber nicht jedes Jahr für den HSV. Daher:

Jäger oder Beute? Der Dino wird erlegt!

Werder Bremen:

Was ist grün und stinkt nach Fisch? Solche Schmähgesänge hören die Werder-Spieler schon lange nicht mehr von den Bayern-Fans, sondern von den frustrierten eigenen Anhängern. Die desaströse Quote von 2:12 Toren nach nur drei (verlorenen!) Ligaspielen kostete heute schon dem Trainerstab um Viktor Skripnik den Kopf.

Jäger oder Beute: Die Haseaten gehen gemeinsam unter!

Rote Bullen düpieren den BVB – der 2. Spieltag

bull-bear

Fehlstart oder historische Blamage?

Dies zu beurteilen überlasse ich gerne den wahren Experten oder warte bis zum Ende der Saison, aber der zweite Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison hatte doch einige Überraschungen parat. Allen voran der 1:0-Sieg von Red Bull Leipzig gegen Borussia Dortmund. Dabei lief doch für den BVB alles nach Plan. Selbst Mario Götze war wieder fit genug für gut 70 Minuten Ballzaubereien – gut, gezaubert hat er nicht ganz so lange, aber er war in schwarz-gelbem (gelb-schwarzen? ich kann’s mir einfach nicht merken…) Tuch gewandet und offenbar zufrieden, für seinen neuen alten Club spielen zu dürfen. Allein genutzt hat es nicht. Die roten Bullen aus Leipzig zeigten sich von Dortmunder Feingeistern vollkommen unbeeindruckt und setzten auf solide Defensive, rasante Konter – und ihre hochklassige Ersatzbank, die es schließlich war, die in der 89. Minute den Siegtreffer erzielte (konkret durch den Schützen Naby Keita). Die Liga ist entzückt, Tuchel ratlos und die BVB-Fans geschockt. Verlieren war nicht vorgesehen an diesem 2. Spieltag. Ist es ja nie, aber wenn, dann defintiv NICHT gegen Leipzig! Nun ja …

Es war überhaupt ein schlechtes Wochenende für Borussen, denn auch die Kollegen aus Mönchengladbach würden den Spieltag wohl gerne vergessen. Der Champions League-Teilnehmer war im Breisgau bei den Aufsteigern des SC Freiburg zu Gast – und fuhren mit Null Punkten (aus der 1:3-Niederlage) und der schmerzhaften Erkenntnis heim: Unterschätze niemals einen Aufsteiger!

Fehlstart Teil 3 gibt’s eindeutig in Bremen! Nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen Lotte und dem 0:6-Debakel in München zum Saisonauftakt, sollte es gegen Augsburg endlich besser werden. Nein, das ist nicht ganz richtig: Es sollte gut werden. Grandios am besten. Aber mindestens drei Punkte wollte man vor heimischer Kulisse in jedem Fall holen. Und der FCA tat den Werderanern sogar den Gefallen, kurz vor der Pause den Gastgebern einen Elfmeter zu schenken. Johannsson verwandelte – die gute Laune in der Kabine war gesichert. Doch richtig mies schien sie bei den Gästen auch nicht gewesen zu sein. Kurz nach Wiederanpfiff schepperte es zum Ausgleich und  in der 73. Minute war das Spiel gedreht – und das Bremer Elend geht weiter.

Kabinettstückchen

Man könnte es getrost ebenfalls unter Fehlstart oder Blamage einordnen, doch das 4:4 zwischen Mainz und Hoffenheim hat Zeug für mehr. Und vor allem höchsten Unterhaltungswert – wenn man es nicht gerade mit Mainz 05 hält. Die Rheinhessen brachten nämlich das Kunststück fertig, eine 4:1-Pausenführung noch zu verdaddeln. Das schaffen nicht viele Teams – höchstens noch DIE MANNSCHAFT gegen Schweden … Respekt!

Das Prädikat „kurios“ verdient auch die Partie Leverkusen gegen den HSV – mit der zunächst höchst schmerzhaften Pointe auf Seiten der Werkself. Nach nur 11 Sekunden Spielzeit verletzte sich Nationalspieler Karim Bellarabi so schwer, dass er mehrere Wochen ausfällt. Der frühe Wechsel tat dem Spiel von Leverkusen nicht gut, so dass in der erste Hälfte praktisch nichts mehr passierte. Im zweiten Durchgang schoss Bobby Wood den HSV in Führung. Ratlosigkeit in der BayArena, doch dann wechselte Roger Schmidt in der 72. Minute den Finnen Joel Pohjanpalo ein, was sich als Meisterleistung herausstellen sollte. Der junge Mann bolzte nämlich in den verbleibenden 20 Minuten den Ball dreimal ins hanseatische Tor. Finnisches Finish sozusagen!

Business as usual

Der FC Bayern reiste am Freitag nach Gelsenkirchen, um drei Punkte einzufahren. Der FC Bayern reiste am späten Freitag Abend wieder nach München mit drei Punkten in der Tasche. Dazwischen lag ein durchaus ansehnliches Spiel mit vielen Chancen für die Königsblauen. Doch je weiter der Zeiger auf der Uhr vorrückte, desto nervöser wurden die Schalker. Sie ahnten, dass es zu einem späten Siegtor der Bayern kommen könnte. So kam es dann auch: In der 81. vollstreckte Lewandowski, in der Nachspielzeit auch noch Kimmich. Also ein ganz normaler Ausflug …

Dass sich Wolfsburg und der FC Köln mit 0:0 getrennt haben, ist ebenfalls nicht weiter bemerkenswert, oder? Man muss jedoch erwähnen, dass Mario Gomez erstmals nach seiner Demission von den Bayern wieder in der Bundesliga gespielt hat. Doch offensichtlich muss er sich an sein froschgrünes Gewand erst noch gewöhnen.

Darf man das Hessen-Derby in dieser Langweiler-Kategorie führen? Wo es zwischen Darmstadt und der Frankfurter Eintracht doch immer so hitzig zugeht? Nun ja, das meiste Spektakel fand in dieser Partie eben auch wieder eher außerhalb des Spielfeldes statt – diesmal waren es vorwiegend die Fans der, durch ein „Schweinetor“ [sic!], siegreichen Lilien, die sich daneben benommen und Pyrotechnik in den Frankfurter Fanblock geworfen haben. Doch auch die Replik aus der Eintracht-Führungsetage war unglücklich: „Heute wurde die Saat fürs Rückspiel gelegt!“ Nun ja, nicht schön. Aber leider auch nix besonderes zwischen diesen beiden Vereinen.

Einen habe ich noch! Ingolstadt gegen Hertha. Die Hauptstädter dominierten die Bayern souverän und sicherten sich mit dem 2:0-Sieg den zweiten Tabellenplatz. Gut, dass Hertha oben in der Tabelle steht ist nicht vollkommen erwartbar (und wird sich bestimmt noch relativieren), aber sonst geht’s in Ordnung.

Morgen beginnt die Champions League-Saison und ich bin gespannt, welche Kategorien wir dann aufmachen müssen …

Servus, Basti!

Dreamteam

Seit ein paar Minuten läuft das erste Länderspiel der Nationalmannschaft nach der mittellustigen Euro2016. Finnland ist der „Gegner“ in diesem Freundschaftsspiel, doch großen Erkenntnisgewinn ewartet sich niemand. Im Fokus steht alleine Kapitän Bastian Schweinsteiger. Basti bestreitet heute sein letztes Spiel im deutschen Leibchen – es ist sein 121.! – und emotional war es bereits vor dem Anpfiff!

Servus Basti!

Minutenlang skandierten die Fans seinen Namen und der kurze Einspielfilm über seine phänomenale Karriere war der Dammbrecher schlechthin. Irgendwann konnte Bastian seine Tränen nicht mehr zurückhalten – ich übrigens auch nicht. Es war schön, gefühlig und eines Helden des Kalibers Schweinsteiger absolut würdig.

Das Spiel selbst ist bislang nicht der Rede wert, aber eine Erkenntnis bleibt: Bastian Schweinsteiger ist der beste Mittelfeldspieler der Welt! Zumindest war er es. Ganz sicher noch 2014, als er sich durch das Finale der WM gekämpft hatte …. hach. Jetzt gibt’s Freistoß und Schweini darf ran. Das war nix. Egal, er muss niemandem mehr etwas beweisen.

Gefühlte Wahrheit

Es gibt viele Menschen, die können meine Schwäche für Schweinsteiger nicht ganz nachvollziehen. All jenen möchte ich dringend die Lektüre meines Romans Gefühlte Wahrheit empfehlen. Dabei spielt zwar Fußball eine eher untergeordnete Rolle, aber Bastis Fußballkünste sind der zentrale Kitt zwischen den Protagonisten.

#bringbackschweini

Meine Initiative ist ja bislang leider ungehört verklungen. Ich hätte es schön gefunden, wenn der FC Bayern Bastian Schweinsteiger wieder von Manchester United zurückgekauft hätten und ihm einen ebenso ehrenvollen Abschied (über mindestens zwei Saisons!) geboten hätten, wie jetzt der DFB. Schweinsteiger hat so viel für den FC Bayern getan und hatte es einfach nicht verdient, sich wegen Pep Guardiola so unwillkommen zu fühlen, dass er letzte Saison auf die Insel gewechselt ist. Einfach nur traurig. Jetzt wird gemunkelt, dass er sein Glück in den USA suchen wird. Irgendwie unwürdig, oder?

Next Captain?

Die nächste große Frage lautet: Wer wird neuer Spielführer von #DieMannschaft? Topfavoriten auf den prestigeträchtigen Posten sind Manuel Neuer und Lieblingsnachbar Boateng. So sehr ich die beiden Herren schätze, an Schweini werden sie emotional nicht rankommen. Insofern: ich gönne es beiden! So lange nicht … nein, heute keine bösen Worte gegen verletzte Blassmänner.

Danke, Basti – für ALLES!

Saisonauftakt 2017/2017 – alles beim Alten in der Liga?

1. Spieltag

Die erste Spielrunde im DFB-Pokal war ja nur das Aufwärmtraining, doch seit Freitag läuft die Kugel auch im Liga-Alltag wieder. Und die spannende Frage lautet: Wie wird die Saison? Wird es nicht nur einen aufregenden Abstiegskampf geben und ein mitreißendes Rennen um die Spielberechtigung in der Königsklasse, sondern auch einen ernsthaften Konkurrenzkampf um die Meisterschaft?

Legt man den ersten Spieltag zu Grunde, ist die Antwort klar: Nein. Wird es nicht.

FC Bayern München – Werder Bremen: 6:0

Der Rekord-, Quradrupel- und Überhaupt-Meister-Meister empfängt zum Saisonauftakt seinen ehemaligen Angstgegner Werder Bremen. Das mit dem Angstgegner ist zugegebenerweise schon ein bisschen her, aber die Älteren werden sich noch gut an wirklich bissige Duelle erinnern, an deren Ende oft genug die Hanseaten als Sieger vom Platz gingen. Diesmal schienen sie jedoch den Münchnern den lauen Sommerarbend nicht versauen zu wollen und fanden praktisch gar nicht statt. Dagegen glänzte die Altherren-Combo von der Säbener Straße, entspannt gecoacht vom grauen Panther Ancelotti, und positionierte sich mit dem 6:0-Sieg (3 Treffer allein von Lewandowski) auf Tabellenplatz 1. Bin gespannt, ob es ein Start-Ziel-Sieg wird.

Ach ja, da Carlo Ancelotti so sehr auf reifere Spieler steht, könnte man doch dringend Bastian Schweinsteiger erlösen, oder? #bringbackschweini

1. FC Köln – Darmstadt 98: 2:0

Bei den Darmstädter Lilien ist zum Saisonauftakt kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Insgesamt 16 Neue gibt’s im Team – auch der Coach ist neu. Klares Saisonziel: überleben und idealerweise Klassenerhalt. Doch auch beim Effzeh gibt man sich betont entspannt und voller Understatement: „Eine Europa-League-Teilnahme 2020 wäre schön!“ – wird Trainer Peter Stöger zitiert. Das ist charmant, doch nach dem glatten 2:0-Sieg über sinnsuchende Darmstädter und aktuell Tabellenplatz 2, träumen die Fans schon jetzt von Meisterschaft und  Champions League. Dass die Partie zudem minutenlang wegen eines Gewitters unterbrochen war, ist das Sahnehäubchen für die Folklore-Fans. Das hat schließlich auch nicht jeder!

Eintracht Frankfurt – Schalke 04: 1:0

Bei den Königsblauen soll ja in dieser Saison alles anders werden. Vor allem: besser! Doch, ach, wie was?  „Hat der Ligabetrieb etwa schon angefangen? Aber wir sind noch noch gar nicht so richtig bereit! Und überhaupt, irgendwie kommt das jetzt alles so plötzlich. Mal abgesehen davon, dass es in der Commerzbank-Arena auch wirklich sehr, sehr, SEHR heiß war. Das packt man nicht so einfach. Ehrlich.“ Da muss man Verständnis haben, denke ich. Das ist voll okay, wenn das Team erst ungefähr in der 80. Minute den Spielbetrieb aufnimmt. Davor waren es nur die Eintracht-Spieler, die im 41 Grad heißen Glutofen alles gegeben und dabei mutmaßlich die beste Saisonleistung abgerufen haben – wie der Radiomoderator so frech kommentierte. „Fußballgott Alex Meier“ war sich seiner Verantwortung jedenfalls voll bewusst und sorgte mit seinem Treffer zum 1:0 schon früh für den Endstand. Dass ein Fanblock leer blieb, weil die die Ultras wegen der Ausschreitungen im Pokal gesperrt waren, hat zumindest den Spielern nicht den Nachmittag verdorben.

FC Ingolstadt – Hamburger Sportverein: 1:1

Wenn man den Radioreportern Glauben schenken durfte, macht es mehr Freude Komapatienten beim Atmen zuzusehen, als diese Partie zu kommentieren. Es war wohl vor allem eines: langweilig! Ideenlos, antriebslos, mutlos – so schlurften alle 22 Protagonisten über den Platz. Aber immerhin eine Top-Chancenverarbeitung. Die beiden Toren entsprachen wohl ziemlich exakt den einzigen Einschussmöglichkeiten. Insofern: Verdientes Remis für den Top-Aufsteiger der letzten Saison und dem Alltime-Dino.

FC Augsburg – FC Wolfsburg: 0:2

Ich fürchte, zu diesem Spiel könnte ich den gleichen Text wie gerade eben schreiben. Aufregung ist anders. Der einzige Unterschied ist, dass die Chancen in diesem Valium-Schocker ein wenig assymetrischer verteilt waren. Die beiden Tore fielen für Wolfsburg. Bas Dost, der sich am Sonntag Richtung Lissabon verabschiedet hat, bereitete in seinen letzten Bundesliga-Minuten das 1:0 für Didavi vor.

Borussia Dortmund – Mainz 05: 2:1

Diese Partie war bereits vor Anpfiff eine sonnenklare Sache, denn noch NIE hatten die Mainzer gegen Dortmund gewinnen können (nur einmal ein Remis rausgeholt). Keiner hielt es für möglich, dass es diesmal anders werden könnte. Weder die Mainzer, noch die Borussen. Fans wie Experten gingen von einem vergleichbaren Kantersieg aus, wie ihn die Münchner am Vorabend hingelegt haben. Und Star-Stürmer Aubameyang wollte am liebsten direkt in der ersten Partie seinen Torjäger-Konkurrenten Lewandowski (wir erinnern uns: 3 Tore gegen Werder) übertrumpfen. Es kam dann – natürlich! – anders als gedacht. Der BVB (ohne Götze und Reus … und ohne Worte meinerseits zu diesem Thema!) war die klar spielbestimmende Mannschaft, Aubameyang traf zweimal (wer nicht so gut im Rechnen ist, das ist ein Treffer weniger als von Lewandowski!), Mainz einmal (das hat sie wohl selbst am meisten überrascht). Unterm Strich bedeutet zwar auch ein 2:1-Sieg 3 Punkte in der Tabelle, aber gefühlt war’s eine Niederlage. Auweia.

Borussia Mönchengladbach – Bayer Leverkusen: 2:1

West-Derby. Duell zweier Champions League-Teilnehmer. Wenn das nicht heißen Hochglanz-Fußball verspricht, was dann? Heiß stimmt schon mal. Wie eigentlich überall am Samstag war es auch auf der Fohlenweide ziemlich hot. Schlecht war die Partie auch nicht – und durchaus knapp. Nachdem Gladbach lange in Führung lag, gelang Leverkusen ziemlich spät der Ausgleich, doch kurz vor Ende erlöste Stindl sein Team. Grund zur Sorge für die Werkself? Vermutlich nicht.

Hertha BSC – SC Freiburger: 2:1

Am Sonntag waren die Aufsteiger dran. Der Sportclub aus Freiburg durfte in der Hauptstadt nach einem Jahr Zweitklassigkeit mal wieder Erstliga-Luft schnuppern. Die war schwül-heiß und zäh – zumindest aus Sicht der Breisgauer. Aber auch für die Zuschauer gab’s lange wenig zu bestaunen. Nach über einer Stunde fiel das erste Tor für die Hertha. In der Nachspielzeit glich Freiburg aus, nur um Augenblicke später das Remis auch wieder zu versemmeln. Der erste kuriose Last-Minute-Sieg der Saison geht nach Berlin.

TSG Hoffenheim – Red Bull Leipzig: 2:2

Man war ja sehr gespannt, wie sich die roten Bullen aus Sachsen in der ersten Liga präsentieren würden. Fazit nach dem ersten Spieltag: Durchaus ebenbürtig. Zumindest mit einem Club wie Hoffenheim. Was allerdings keine ernsthaften Rückschlüsse auf die Ligatauglichkeit zulässt. Bleibt also abzuwarten, wie sich der Debütant noch entwickelt.

Abschiede – Neubeginne – Triumphe

Abschiede-Neubeginne-Triumphe

Eine Menge passiert auf dem Planeten Futbol in den letzten Wochen – und das (fast) ganz ohne Spielerfrauen-Betreuung. Doch die harte Zeit der Dürre ist hiermit vorbei – mit einer Rückschau über die wichtigsten Abschiede, Neubeginne und Triumphe.

Triumphe

Herzlichen Glückwunsch der Frauen-Nationalmannschaft zur olympischen Goldmedaille! Dieser fulminante Höhepunkt war gleichzeitig auch der Schlusspunkt von Langzeit-Trainerin Silvia Neid und etlichen Nationalspielerinnen. Da dürfen wir alle ziemlich gespannt sein, wie sich der Neuanfang gestalten wird. Für die Männer hat es leider nicht gereicht – trotz Finaleinzug. Im Elfmeterschießen war dann leider Schluss. Nils Petersen hat nach vier vorangegangenen Treffern verschossen – Neymar als letzter Schütze für Brasilien sorgte für einen Glückstaumel bei den Olympia-Gastgebern und für ein kleines Trostpflaster nach dem WM-Halbfinals-Trauma von vor zwei Jahren. Glückwunsch also für Olympia-Gold!

Abschiede

Silvia Neid hat sich verabschiedet, einige ihrer Spielerinnen auch, Horst Hrubesch ist als Coach der U21-Nationalmannschaft ebenfalls Geschichte. Doch zwei Abschiede in der letzten Zeit haben mich besonders berührt. Allen voran natürlich der von Bastian Schweinsteiger. Während der letzten zwölf Jahre (ja, er war ernsthaft schon 2004 dabei!) hat er die Nationalmannschaft von Fußball-Deutschland geprägt wie wenige vor ihm. Am Anfang noch mit schwarz lackierten Fingernägeln und wasserstoffblonden Haaren – zuletzt als souveräner Kämpfer und unumstrittener Leader. Mit Basti war die Nationalmannschaft einfach viel spezieller und aufregender – und ich spreche jetzt nicht von Aufregern im Sinne von Handspiel! Lustiger war sie dagegen durch Lukas Podolski, der nun ebenfalls das Handtuch geworfen hat. Während Basti schon lange nicht mehr Schweini sein wollte, hatte Lukas mit dem Poldi aus dem legendären Sommermärchen-Duo „Schweini & Poldi“ bis zum Schluss kein Problem. Dem Oberbayern und dem Herzenskölner ist jetzt noch zu wünschen, dass sie auch ihre Vereinskarrieren angemessen beenden dürfen. Mein geheimer Wunsch für Schweinsteiger ist ja immer noch eine Rückkehr zum FCB …

Neubeginne

Fällt euch was auf? Eigentlich ging es schon in den Absätzen Triumphe und Abschiede auch um Neubeginne. Daher beziehe ich mich jetzt mal konkret auf den Liga-Alltag. Am Freitag geht’s los mit dem Auftaktspiel FC Bayern München gegen Werder Bremen. Ob es den Fischköpfen gelingt, ihr peinliches Erstrundenausschneiden im DFB-Pokal (der ging schon letztes Wochenende los) auszumerzen? Wir werden sehen. Ansonsten bin ich besonders gespannt, wie sich Liga-Neuling Leipzig machen wird. Die roten Bullen mussten übrigens auch ein Debakel in der ersten Pokalrunde verschmerzen – pikanterweise ausgerechnet gegen Dynamo Dresden, was – es wundert kaum – mit diversen Ausschreitungen verbunden war. Überhaupt scheint es wieder einen Trend hin zu mehr Gewalt im Stadion zu geben – auch da sollte es dringend einen Neuanfang geben! Auf eine spannende und friedliche Saison!

Die Olympia-Kader stehen!

Olympia-Kader

Olympia – wir kommen!

In Brasilien herrscht zwar noch Chaos und die böse Zika-Mücke, aber die Vorfreude auf Olympia steigt. Auch beim DFB, wo heute die beiden Kader für das olympische Fußball-Turnier nomiert wurden. Bundestrainerin Silvia Neid und U-21-Chef Horst Hrubesch haben hoffentlich schlagkräftige Teams rekrutiert. Für die Männer ist es übrigens die erste Teilnahme an olympischen Spielen seit 1988.

The Ladies

In dem aus 16 Spielerinnen und zwei Torhüterinnen bestehenden Kader der Frauen stehen mit Saskia Bartusiak, Simone Laudehr, Annike Krahn, Babett Peter, Anja Mittag und Melanie Behringer sechs Bronzemedaillen-Gewinnerinnen der Olympischen Spiele 2008 von Peking. Auf Abruf wurden Lisa Weiß, Kathrin Hendrich, Lina Magull und Svenja Huth nominiert, die ebenfalls in Brasilien dabei sind, aber nur zum Einsatz kommen, wenn eine Spielerin verletzungsbedingt aus dem Turnier ausscheidet.

Aus dem 26-köpfigen erweiterten Olympia-Kader wurden Meike Kämper, Lena Petermann, Pauline Bremer und Felicitas Rauch nicht berücksichtigt.

Bundestrainerin Silvia Neid sagt: „Die Entscheidung fiel uns natürlich nicht leicht. Wir haben in den drei Vorbereitungs-Lehrgängen viele Eindrücke gesammelt und uns nach jeder Einheit innerhalb des Trainerteams intensiv ausgetauscht. Bei einem Kader von nur 16 Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen spielt der Aspekt der Variabilität eine große Rolle. Für Pauline, Meike, Lena und Felicitas hat es leider aus unterschiedlichen Gründen nicht ganz gereicht. Aber das sind Spielerinnen mit einer großen Perspektive, denen die Zukunft gehört.”

Am 22. Juli bestreiten die DFB-Frauen in Paderborn (ab 18 Uhr) gegen Ghana ihr letztes Testspiel vor Olympia. Anschließend trifft sich die Mannschaft am 27. Juli in Frankfurt und reist am 29. Juli nach São Paulo ab. Dort geht es in der Vorrunde am 3. August (ab 23 Uhr MESZ) gegen Simbabwe los, am 6. August (ab 23 Uhr MESZ) folgt die Begegnung gegen Australien. Im abschließenden Gruppenspiel in Brasilia trifft das Team am 9. August (ab 21 Uhr MESZ) auf Kanada.

The Gentlemen

Das 18-köpfige Aufgebot der Herren wird bei der ersten Olympia-Teilnahme seit 1988 von U 21-Kapitän Leon Goretzka (FC Schalke 04) sowie den erfahrenen Profis Lars Bender (Bayer 04 Leverkusen), Sven Bender (Borussia Dortmund) und Nils Petersen (SC Freiburg) angeführt. Außerdem stehen aus der aktuellen U 21-Nationalmannschaft unter anderem Max Meyer (FC Schalke 04), Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), Davie Selke, Lukas Klostermann (beide RB Leipzig) sowie Niklas Süle und Jeremy Toljan (beide TSG 1899 Hoffenheim) im Kader von Trainer Horst Hrubesch.

Mit Weltmeister Matthias Ginter (Borussia Dortmund) und Torhüter Timo Horn (1. FC Köln) wurden zudem ehemalige Junioren-Auswahlspieler nominiert, denen im vergangenen Jahr bei der U 21-EM die Qualifikation für Olympia gelang. Leonardo Bittencourt (1. FC Köln), Eric Oelschlägel (SV Werder Bremen), Christian Günter und Sebastian Kerk (beide SC Freiburg) stehen auf Abruf bereit, sollte es zu verletzungsbedingten Ausfällen kommen.

Trainer Horst Hrubesch sagt: „Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele ist riesengroß. Das Ziel Rio begleitet mich schon sehr lange. Das wird für uns ein einmaliges Erlebnis, von dem die Spieler noch ihren Enkeln erzählen werden. In der Mannschaft haben wir eine gute Mischung aus der aktuellen U 21-Nationalmannschaft und älteren Spielern gefunden. Die Qualität des Teams ist trotz der schwierigen Nominierung absolut top. Ich freue mich auf jeden einzelnen und bin sicher, dass mit diesen Jungs vieles möglich ist. Wir fahren nach Brasilien, um jedes Spiel zu gewinnen. Alles andere macht keinen Sinn.“

Am 28. Juli trifft sich die deutsche Olympiamannschaft der Herren zu einem dreitägigen Trainingslager in Frankfurt, am 30. Juli erfolgt der Abflug nach Brasilien. Am 4. August (ab 22 Uhr MESZ) bestreitet das DFB-Team in Vorrundengruppe C seine erste Partie gegen Mexiko in Salvador. Hier wird auch das zweite deutsche Gruppenspiel am 7. August (ab 21 Uhr MESZ) gegen Südkorea ausgetragen. Die dritte Partie in der Vorrunde findet am 10. August (ab 21 Uhr MESZ) in Belo Horizonte gegen Fidschi statt.

Zeitenwende nach der EURO

Zeitenwende

Ob die Motten inzwischen nach Hause geflattert sind? Immerhin haben sie für Gesprächsstoff im, über weite Strecken, ziemlich öden Finale der Europameisterschaft gesorgt. Die Motten und der Schockmoment in der ersten Halbzeit: Frankreichs Shootingstar Dimitri Payet war ziemlich rustikal bei Cristiano Ronaldo eingetiegen, der tödlich getroffen zu Boden ging, sich aufrappelte, humpelte, ein paar Minuten weiterspielte, wieder zu Boden sank, weinte, behandelt wurde, sich zurück aufs Spielfeld schleppte, gleich wieder zusammenbrach und schluchzend vom Platz getragen werden musste. In diesen paar Minuten ist etwas sehr merkwürdiges passiert: Ich habe aufgehört, CR7 zu hassen!

Zeitenwende

Und wenn ich den sozialen Medien in diesem Moment glauben durfte, ging es nicht nur mir so. Der Mann, denn ich über viele Jahre voller Leidenschaft und Verve gehasst habe, tat mir plötzlich von Herzen leid! Man hat zwar in den letzten Jahren recht oft Tränen bei ihm beobachten können (und einige Male habe ich durchaus hämisch darüber berichtet), aber diesmal war es irgendwie anders. Er wirkte so verloren und verzweifelt, dass ich im glauben musste – und einen so profund unglücklichen Menschen kann man einfach nicht (mehr) hassen. Ab diesem Moment habe ich als Portugal die Daumen gedrückt. Vorher war’s mir ziemlich Banane, wer nun dieses Endspiel gewinnt, aber plötzlich musste es einfach Portugal werden. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle zum Titel!.

11Freunde sind schneller als 11Spielerfrauen

Eine weitere erschütternde Erkenntnis traf mich gestern. Da wollte ich nämlich einen großen Artikel für diesen Blog schreiben über 100 Gründe, CR7 zu hassen – einen, ihn zu lieben. Ich war schon ziemlich weit mit meiner Liste, als ich über Facebook auf den Artikel Doch kein schlechter Kerl? von Stephan Reich gestoßen bin. Der Kollege von den 11Freunden muss Zugriff auf meine Gehirnwellen haben, denn er hat so exakt und pointiert formuliert, was ich mir gedacht habe, dass ein eigener Artikel schlicht Zeit- und Ressourcenverschwendung gewesen wäre. Offenbar bin ich doch nicht so originell, wie ich mir gerne einbilde … Nun ja, jedenfalls war ich niedergeschmettert genug, um auch auch den Post Meister Eder und seine Portugiesen gar nicht erst zu schreiben. Ist aber auch egal, denn dank CR7 weiß nun ohnehin die ganze Welt, dass Portugal Europameister ist. Und Siegtorschütze Eder wird bald wieder vergessen sein.

Doch kein Weltuntergang?

Kein Weltuntergang

Es haben sich vielleicht einige gewundert, dass ich nach dem Ausscheiden von #LaMannschaft gestern absolutes Stillschweigen gehalten habe. Kein Mucks von mir. Was war los? Nur so viel: ich hatte Gründe! Und einer davon war, dass ich abwarten wollte, ob der Weltungergang vielleicht doch noch eintritt.

Die Sonne ist schon wieder aufgegangen!

Ich werte das mal als gutes Zeichen. Auch heute Morgen ist die Sonne wieder über den Horizont gekrochen – vielleicht nicht überall so spektakulär wie auf dem Foto, das übrigens den bislang einzigen von mir dokumentierten Sonnenaufgang zeigt (normalerweise verschlafe ich den immer) -, aber eben doch. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, wenn man den Reaktionen nach der 0:2-Niederlage der Deutschen gegen Frankreich am Donnerstagabend Glauben schenken durfte.

Die erste Welle war Schock (beim verwandelten Elfmeter der Franzosen kurz vor der Pause zum 1:0), dann war es Ungläubigkeit, Verzweiflung – und schließlich ganz schnell Häme. Was war passiert? Die Adler-Jungs spielten zwar das Spiel ihres Lebens, aber eine Verkettung blöder Fehler, Verletzungsausfälle und dummer Zufälle hat verhindert, dass sie das Spiel gewinnen. Danach waren sie verständlicherweise enttäuscht und traurig. Und die Nation in Aufruhr.

Wollt ihr wirklich die totale Dominanz?

Die Hätte-Sollte-Wäre-Spirale wurde prompt wieder in Gang gesetzt und viele Nebenerwerbs-Nationaltrainer legten dem Hauptberuflichen nun nahe, entweder das Handtuch zu werfen oder zumindest gründlich die Hausaufgaben zu machen, auf dass so ein Debakel NIE wieder vorkäme. Verstanden, Jogi?

Ich kann die nationale Enttäuschung verstehen, ich war auch sehr traurig, aber mal im Ernst: ist es wirklich SO schlimm, dass „wir“ nicht Europameister werden? Soll das das Gefühl sein, das von diesem merkwürdigen Turnier übrigbleibt? Ich denke nicht. Ich freue mich an den großartigen Auftritten von Fußball-Zwergen wie Wales und Island, die im Feiern und im Scheitern wahre Riesen sind. Und ich gehe davon aus, dass morgen vielleicht nicht zwangsläufig die beste Mannschaft Europas, wohl aber die glücklichste gewinnen wird.

Und die trotzigen Rufer, die nun skandieren, dass wir nun halt 2018 definitiv wieder Weltmeister werden, möchte ich dies fragen: Wäre das wirklich so eine gute Idee? Ist es nicht viel schöner, dass es die totale Dominanz eines Spielkonzepts (so wie in Spanien) nicht mehr gibt und auch auch andere Länder Chancen haben? Ich finde das gut so. Das ist bunt, aufregend und spannend! Denn was eine einschüchternde Überlegenheit eines Teams ausmachen kann, sehen wir ja in der Bundesliga. Langeweile einerseits und immer aggressivere Antipathien gegenüber dieser Mannschaft andererseits. Wollen wir das auch für die Nationalelf?

Witze sind natürlich trotzdem erlaubt

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – das ist klar. Und das darf auch so sein. Ich habe gestern herzlich über den Postillon-Artikel über die neuen Zwangsjacken-Trikots gelacht. Genau wie über den keinen Shitstorm der aus Island gen Frankreich gefegt kam: Les Bleus mögen sich doch bitte eine eigene Jubel-Choreografie ausdenken und den „Viking Clap“ den Nordmännern überlassen.

Macht euch locker, macht Witzchen, aber bitte hört mit dieser widerwärtigen, selbstgerechten Klugscheißerei auf. Deutschland ist nicht Europameister – das ist schade, aber irgendwie geht’s auch total in Ordnung! Und die Sonne wird auch morgen wieder aufgehen. Versprochen. In diesem Sinne: Hu! Hu! Hu!

Boateng und Zaza – oder wer den Schaden hat …

BoatengsLuftnummern

Zaza & Boateng: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Nach der epischen Fußball-Schlacht vom Samstagabend – auch bekannt als Viertelfinale #GERITA der aktuellen Europameisterschaft – ergehen sich die 80 Millionen deutschen Fußballexperten und der Rest der Welt in Analysen. Was wäre wenn – dürften die derzeit meistgeraunten Vokabeln sein. Dabei ist es nicht nur sinnlos über Ereignisse in Paralleluniversen zu fabulieren, es ist vor allem unnötig. Und respektlos den Akteuren des Abends gegenüber. Die ganze Taktik-Debatte ist völlig für den Kübel: Jogi Löw hat seine Mannschaft ins Halbfinale gecoacht. Das zählt!

Außerdem haben wir doch auch eine Menge zu lachen – und das dürfte in den deprimierenden Zeiten von BREXIT, IS, PEGIDA & Co die wichtigste Währung überhaupt sein. Neben Jerome Boatengs spektakulären Luftnummern, die haarscharf zwischen Genie und Wahnsinn mäandern haben wir noch einen zweiten Helden des Abends: Simone Zaza! Der bullige Angreifer wurde extra fürs Elfmeterschießen, Augenblicke vor Abpfiff der Verlängerung, eingewechselt – und bezauberte die Welt mit einer Schusstechnik, die wahrlich ihresgleichen sucht.

Wer so einen Comedian im Team hat, muss nicht lange traurig sein! Wobei, an Kleinkünstlern herrscht bei den Azzurri ohnehin kein Mangel. Der sterbende Schwan von Chiellini nach einem Foul von Thomas Müller war auch sehr sehenswert…

Schmerzen und Tränen

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in meiner Fan-Existenz jemals 18 Elfmeterschützen bei der Arbeit habe zusehen müssen – und ehrlich gesagt lege ich auch keinen gesteigerten Wert auf eine Wiederholung dieser Show, denn dieses Drama hat mich um Dekaden altern lassen. Aber vergessen werden wir dieses Spiel doch sicher auch nie wieder, oder? Mit Sicherheit gilt das auch für alle Spieler, sämtliche Azzurri werden sich zwar nach Kräften bemühen, diese Nacht zu vergessen – doch speziell Buffon oder Zaza dürften damit so ihre Mühe haben. Auch für einige deutsche Akteure war der Abend sehr schmerzhaft: für Mario Gomez und Sami Khedira ist die EURO gelaufen, Schweinsteigers Einsatz im Halbfinale ist fraglich und Mats Hummels ist gelbgesperrt. Da dürften einige Tränen geflossen sein – in beiden Lagern.

So froh ich bin, dass der „italienische Fluch“ zumindest halbwegs gebannt scheint, so leid haben mir die Männer in blau dann doch getan. Insbesondere Gigi Buffon. Tja, wenn echte Kerle weinen, wird jedes Frauenherz ganz weich …

Wobei, wir wollen es jetzt nicht übertreiben mit dem Mitleid, sondern uns aufs nächste Ziel fokussieren (wie Taktikfuchs Löw sagen würde). Denn eines ist klar, total einfach wird das Spiel gegen Frankreich auch nicht. Les Bleus haben mich gestern ziemlich überrascht, wie gut sie auf die isländischen Hu-HU-HUUUUUs eingestellt waren. Plötzlich wirkten die Wikinger nicht mehr so unbesiegbar wie noch gegen England. Allerdings dürften die Franzosen Schwierigkeiten haben, die Taktik von LaMannschaft zu antizipieren, denn die wird zur Stunde noch genausowenig feststehen, wie ihre Aufstellung.

Famous last words – oder die nächste leere Drohung

An dieser Stelle muss ich noch eine Ankündigung machen: Sollte das Finale am Sonntag Portugal – Frankreich lauten, werde ich NICHT gucken und NICHT darüber berichten! Also, ihr lieben Waliser und Jogi-Jünger: das könnt ihr nicht riskieren! Ich hoffe auf WALGER!! Notfalls würde ich auch PORGER nehmen, denn wer weiß – vielleicht rühren mir Cristiano Ronaldos Tränen dann am Ende auch … Habt eine gute Woche!

Über die Sinnlosigkeit der Fußballwette

Wetten_dass_neu

So viel zum Thema Fußballwette

Ich habe vorgestern auf Facebook meinen Allerwertesten darauf verwettet, dass Belgien die Waliser locker schlagen wird, dann fröhlich Fritten kauend noch die drögen Portugiesen heimschickt und schließlich locker ins Finale dieser EURO einzieht. Eine Leserin hat mich daraufhin besorgt hingewiesen, dass es immer unklug sei, relevante Körperteile als Wetteinsatz anzugeben, doch ich wollte nicht auf sie hören. Im Gegenteil, ich hatte noch das Bonmot parat, dass ich so reichlich hätte, um gut auf einen Teil verzichten zu können. Und so sehr mich gestern die Partie Wales – Belgien überrascht hat, der erhoffte Diäteffekt an meiner mittleren Rückseite ist bislang ausgeblieben. Ich sitze immer noch sehr komfortabel. Leider möchte ich sagen, doch das ist eine andere Geschichte.

Es bringt nichts zu wetten!

Der Lerneffekt ist jedoch ein anderer. Selten war es so sinnlos, auf Fußballspiele zu wetten, wie bei dieser Europameisterschaft. Wales im Halbfinale! Island kurz davor! Wer hätte das gedacht? Mit Sicherheit keiner. Jedoch drängt sich nun, während ich diese Zeilen tippe, ein schlimmer Verdacht auf. Was, wenn das alles doch einem Masterplan entspricht? Keinem göttlichen – wo kämen wir denn da hin? – sondern eher einem der UEFA, der FIFA oder der Wettmafia, was unterm Strich eh aufs Gleiche rauskommt. Sollte man vielleicht mal bei den großen Buchmachern nachhören, ob ungewöhnliche Summen auf den 2:1-Sieg von Island über England oder den hochverdienten 3:1-Triumph der Waliser gestern gesetzt wurden? Ich hätte Angst, was dabei rauskommt …

Die allgemeine Ratlosigkeit wird deshalb nicht gerade kleiner. Was ist das für eine merkwürdige Sportveranstaltung, die uns seit drei Wochen die Nerven raubt – hauptsächlich, weil das Gros der Spiele einfach unglaublich langweilig war (beispielsweise aller der Portugiesen)? Sämtliche Tippspielgruppen, von denen ich weiß, stöhnen frustriert, weil keiner auch nur annähernd auf die irren Konstellationen gekommen wäre, mit denen wir es nun zu tun haben. Es bringt also nichts, zu wetten.

Oder?

Vielleicht aber doch. Vielleicht kann man mit einer Wette das Schicksal herausfordern. Wer weiß, vielleicht passe ich dann morgen wieder in uralte Hosen? Oder falls ich spontan noch einen heißen Tipp bekomme, kann ich mich in ein paar Tagen über ein üppig gefülltes Konto freuen? Wahrscheinlich ist es eher umgekehrt: Der Hintern wächst weiter und das Konto wird leerer, aber … egal.

Was bedeutet das für heute Abend? Die nackte Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Deutschland hat Italien in einem großen internationalen Turnier noch NIE besiegt. Nie – also im Sinne von NIENIENIE! Sprich: immer verloren! Andererseits läuft #LaMannschaft heute mit ziemlicher Sicherheit in Bestbesetzung auf (im Gegensatz zu den Azzurri, die einige Aufälle haben) und ganz sicher wird sich Jogi Löw nich noch einmal so verzocken, wie vor vier Jahren. Balotelli ist auch nicht dabei … Werden wir also das Trauma (unter dem, die Spieler angeblich gar nicht leiden, die 80 Millionen Zuschauer schon) heute überwinden? Was sagen  die Buchmacher? Was sagst DU?